Interview – Matthias Cieply (Queplay / 95.5 Charivari)

Kennengelernt habe ich Matthias auf einem Workshop-Event am Starnberger See. Zu dieser Zeit war er Produzent bei NRJ München. Seitdem ist viel bei ihm passiert – Also Zeit für ein Interview :-)

Welche Stationen hast du, seitdem du dich für’s Radiogeschäft entscheiden hast, durchlaufen?

Es hat sich einiges für mich geändert. Ich war 2 Jahre bei Energy, habe dort einiges gelernt und konnte meine Kreativität ausleben. Als einziger Produzent für Energy München war ich stetig im engen Kontakt mit den Producern von Energy Deutschland. Es war eine klasse Zeit und ich konnte einiges für mich mitnehmen! 

Danach ging es weiter zu Antenne Bayern. Dort arbeitete ich als Audio Engineer und Video Producer zugleich. Das war eine tolle Erfahrung. 

Aktuell bin ich bei 95.5 Charivari und bringe dort meine Ideen ein und schaffe Erneuerungen. 

Welche Unterschiede gibt es bei der Arbeit für eine CHR und AC Station und zwischen den Arbeitsweisen in Deutschland und UK?

Generelle Unterschiede: 

Wenn hier etwas bekannt ist, ist es in anderen Ländern meistens schon vorbei. Das sehen wir bei Global UK inhb. von heart, captimal fm, classic fm.
In England werden teilweise geniale Titel gespielt, die erstmal keiner kennt.
Die Songs werden perfekt positioniert und zwar nicht erst in der späten Stunde.
Sie sind von Newcomern, die zunächst keinen Namen haben und nicht publik gemacht wurden – Die Musik rockt auch ohne Hitstatus und das sieht man bei den Hörern und in der Statistik.
Sie erhalten in England also den genauen und bestmöglichen Support.
Hier in Deutschland hingegen ist es extrem schwierig sich durchzusetzen.
Dies liegt daran, dass die Mehrheit eher die Hits und die Stars hören möchte. Die Konkurrenz ist durch diverse kommerzielle Lokalradios hoch – jeder Sender versucht mit seinem eigenen Programm herauszustechen.
Lables schließen kuriose Deals in hohen Gagen mit den Managern der Künstler ab, damit sie die Songs bekommen, die sie auch haben wollen. Da gibt es kein Limit! So wird man schnell verdrängt und somit erschließt sich der „Main-Stream“.

Unterschiede bei der Arbeit: 

Bei der Arbeit sieht man eine hohe Rotation beim CHR Format. Das Programm besteht aus der Szene von Berichten über Stars und Sternchen. Hier sollen Hörer bis 29 Jahre erreicht werden. 

Bei AC Stationen werden Popsongs und andere Genres der letzten Jahre bis heute gespielt. Hierbei ist der Hauptträger die Hörerintegration und Gewinnspielinfos. 

Wie sieht dein Setup aus?

Zuhause oder auf der Arbeit? Hehe.
Derzeit arbeite ich viel mit der DAW Fruity Loops von Image Line und Ableton, zurzeit bringe ich mir Cubase 9.5 bei.
Outboard Equipment hat man heutzutage, deshalb setze ich alles auf die Digitale Welt.
Ich liebe das gesamte Bundle der Fabfilter-Reihe, egal ob Rough-Mix, oder für das essentielle Mastering. Dieses Plugin kommt immer zum Einsatz und beweist, wie stark es wirklich ist.

Equipment

DAW: 

  • Ableton
  • Fruityloops
  • Pro Tools

Monitore: 

  • KRK Rp6 G3
  • Neumann KH310 D L/R

Plugins: 

  • Fabfilter Mixing Bundle
  • Manley Massive Passive Mastering Edition
  • Sonnox Oxford Inflator
  • Puigtec EQ-1A
  • Komplete 11 

Audio Interface: 

  • Apogee Duet 1
  • Scarlett Focusrite 2i4 

Mics: 

  • TLM 103
  • SE Electronics sE2200

Midi-Keyboard: 

  • Native Instruments Komplete Kontrol S61 Mk2

Hast du 3 Tipps die du einem angehenden Produzenten mit auf den Weg geben würdest?

Tipp 1:
Hab keine Angst, sei offen, nimm alles an was du haben kannst – lerne daraus neue Wege zu schaffen und bilde dich stetig weiter, bleibe nie an einem Punkt stehen.
Reflektiere deine Lebenseinstellung und sei Dir bewusst, ob du das zu 100% machen möchtest, wenn du jeden Tag dabei bist, dann bist du auf dem richtigen Weg! 

Keep on rockin!

Tipp 2:
Produziere Remixe, Bootlegs, Betten, Jingles, Opener etc. somit wirst du ein gutes Gefühl bekommen was auf dem Markt gehört werden will, was im Trend ist. Höre stetig vieles internationales Zeug und erziele damit eventuell eine neue Musikrichtung.
Ich habe mir bekannte Songs angehört, diese zerstückelt und sie genau analysiert. Ich habe mir also angesehen, wie der Aufbau ist, welche Effekte miteinfließen und was für ein Sound derjenige kreieren wollte. Wenn du das 100x gemacht hast, siehst du selbst wie schnell du einen Track bauen kannst.

Tipp 3:
Kreiere deinen eigenen Sound. Produziere dein eigenes Sample-Pack über die Jahre.
Vermarkte dich selbst. Nutze jede mögliche Plattform, iTunes, Spotify, Socialweb.
Mach deine Marke stark und promote Dich selbst, poste in bekannte Foren von Profis wie: Laidback Luke, dort bekommst du zahlreich Feedbacks.
Produziere jeden Tag, jede Stunde, wo es nur geht und so wirst du schnellst möglich an dein gewünschtes Ziel kommen.

Tipp 4:
Limitiere die Sounds die du verwendest, somit erzeugst du deinen eigenen Sound, das zieht sich komplett durch die Produktion durch.

Wer oder Was ist Queplay?

Das bin ich – Künstler, DJ und Produzent.
Matthias Cieply, alias Queplay

Ich begann so früh wie möglich Klavier zu spielen. Das Klavier spielen ermöglichte mir ein besseres Rhythmusgefühl zu erlangen. Ich bekam durch meinen Vater schnell musikalisches Verständnis.
Neben dem Klavierspielen begann ich zeitgleich mit einer alten Software (Magix Music Maker und Reason) zu produzieren– wenig später folgte Fruity Loops. 

Von 14 bis 16 Jahren legte ich stetig unter einem anderen Künstlernamen auf kleinen Geburtstagpartys auf. Ich nahm all mein Equipment mit und ging Party zur Party. 

Mit 17 Jahren startete ich meine eigenen Events in großen Clubs.
Es war ein kleiner Erfolg, der mir Freude bereitete.
Es ist ein super Gefühl, die Menschen auf der Tanzfläche zu sehen, die Spaß haben und einfach eine gute Zeit genießen.
Heutzutage produziere ich als Queplay elektronische Musik.

Hier gibt es meine Single – Take My Love mit Nicole Carino zu hören.

Was unterscheidet die Musikproduktion als DJ zur Radioproduktion?

Du bist ständig unterwegs, kommst nie zur Ruhe. Du bist hundertzwanzig Prozent unter Adrenalin, wenn du da oben stehst und plötzlich schießen dir die Glückshormone hoch, sobald der Drop kommt oder die erste Melodie – dann fällt der Stress.
Als DJ musst du wissen, was die Crowd hören möchte. Playlisten gibt’s bei mir nicht. Ich schaue spontan wie die Menge reagiert und setze die Tracks gezielt ein.

Ach und was mir bei bekannten DJs auffällt: Rider sind so groß wie Telefonbücher!

Während du auf Events bist, produzierst du natürlich auch Songs unter enormen Druck, diesen Stress hast du in der Radiowelt nicht. Du bist nicht ständig auf Achse.
Als DJ kannst du das machen worauf du Lust hast, wo der Sound gerade hinführt, was gehört werden will. Beim Radio kannst du nicht einfach Musikbetten produzieren, hierfür sind externe Firmen gefragt, die dafür spezialisiert sind. Als DJ bist du nicht gebunden, du kannst viel Improvisieren und eigenes austesten.

Dein "Must Have“ Plugin, VST oder Trick, ohne den du nicht mehr auskommst? 

Plugins:

  • Sonnox Oxford Inflator
  • Effectrix (Sugarbytes)

Synths:

  • Sylenth 1
  • reFX Nexus
  • Komplete 11
  • Omnisphere
  • ANA 2

Trick für Vocals:

Wenn deine Stimme ziemlich dünn in der Produktion klingt versuche folgendes: 

Füge das Plugin Revival hinzu – adde etwas thickness und booste ca. 240Hz mit deinem Fabfilter Pro-Q. Deine Stimmte klingt jetzt nicht mehr dünn. 
Btw: Das Plugin ist kostenlos!

Bildest du dich weiter und wenn ja wie?

Learning by doing ist mein Motto, wenn was nicht klappt wird nachgeforscht bis es klappt. 

Ansonsten gibt es zahlreiche Workshops und Events zum Beispiel das ADE, da finden sich alle Produzenten weltweit zusammen und man kann sich gut austauschen. 

Hier habe ich schon viel Inspiration bekommen und meine Kontakte wieder getroffen. 

Ich freue mich auf das ADE 2019 und weitere Events. 

Was hast du im letzten Jahr neues (über dich) gelernt?

Zielstrebig sein, verfolge das was dich glücklich macht und lasse keinen Stress an dich heran. Liebe, was du tust, dann machst du es immer mit Freude.

Was willst du unbedingt mal ausprobieren?

Ich würde gerne mal mit Mad Mark (Produzent von DJ Antoine) einen Tag lang nur produzieren. Tipps und Tricks von ihm erfahren und einfach spaß am produzieren zu haben.
Zudem finde ich die Tracks von Mike Candys ziemlich gut – den würde ich auch gerne mal persönlich antreffen.

Welche Bücher kannst du empfehlen?

  • Die Audio Enzyklopädie von Andreas Friesecke ist perfekt für die Grundlagen der Audiowelt, davon gibt es inzwischen eine Neuauflage von 2014. 
  • Bob Katz: Mastering Audio – The Art and the Science.

Wie sieht ein typischer Morgen bei dir aus?

Erst mal ausschlafen, sobald ich es mir erlauben kann und keine Arbeit ansteht. Dann E-Mails checken und sich für den Tag fertig machen.

Wie hälst du dich fit?

Ich gehe wöchentlich schwimmen. Ansonsten gerne mal einfach abschalten und spazieren gehen.

Welche Menschen haben dich auf deinem Weg unterstützt und wer inspiriert dich?

Meine Familie und Freunde unterstützen mich wo es nur geht. Sie stehen hinter mir und geben mir zahlreiche Feedbacks zu bestimmten Tracks.
Am meisten inspiriert mich der niederländische DJ Tiesto (Tijs Michiel Verwest), aber auch Mad Mark! DJ Tiesto hat die elektronische Szene mit seinen Tracks „ Escape Me“ in Zusammenarbeit mit dem Co-Produzenten Dennis Waakop neu erfunden.

Danke für das Interview!