Interview – Paul Werner (BigFM)

Paul Werner ist 27, seit 3 Jahren Sounddesigner bei bigFM und wohnt in Stuttgart (Stand:  Dezember 2018). Bei seinem Sender ist er sowohl für programminterne Produktionen und Imaging als auch klassisch verkaufte Salesproduktion zuständig.

Kennengelernt haben wir uns beim Radiobranding Day in Berlin. Nachdem ich seine Produktionen auf Soundcloud gehört habe, musste ich ihm einfach ein paar Fragen stellen.

Du hast wie ich in Mittweida studiert. Wie sind deine Erinnerungen an diese Zeit?

Die Studienzeit in Mittweida war sehr cool! Ich wollte nach der Schule unbedingt in Richtung Audio gehen und habe die Hochschule eher zufällig entdeckt. Ich war von der Medienfakultät aber umso mehr angetan! Mit einem eigenen Radiosender, einem Filmstudio, Tonstudio und vor allem den vielen praxisnahen Projekten klang das sehr spannend. Rückblickend würde ich sagen, dass es genau die richtige Wahl war! Wer wollte, konnte in dieser Zeit viel Praxiserfahrung sammeln und sich in vielen Bereichen ausprobieren. Es lag daher auch eher an einem selbst als an den Profs, mit welcher Erfahrung man aus dem Studium gegangen ist. Leider habe ich die kurz nach meiner Zeit neu gebauten Mediengebäude nicht mehr kennengelernt. Ich würde das Studium definitiv weiterempfehlen. Man darf sich einfach nicht von der Größe der Stadt abschrecken lassen ;)

Und du hast dich dort für’s Radio entschieden?

Genau, nach dem Grundstudium hatte man die Wahl sich für eine Spezialisierung zu entscheiden. Hier wurde es für mich dann Audio/Hörfunk. Radio war danach ein fester Bestandteil der Module die belegt werden musste. So kam ich das erste Mal in Kontakt mit Radio. Da ich aber von Anfang an wusste, dass ich mich eher im Hintergrund als vor dem Mikro sehe, habe ich dann dort meine ersten Erfahrungen in Richtung Radioproduktion sammeln können.

Welche Sender und welche Personen haben dich auf deinem Weg begleitet / von wem durftest du lernen?

Mein Hochschulpraktikum habe ich in der Produktion von RPR1. gemacht – dort habe ich sehr viel lernen können, gerade was die Arbeit mit ProTools betrifft! Danach hatte ich das Glück halbtags bei bigFM arbeiten zu können, woraus später ein Ganztagsjob wurde. Die Produktionen dort und besonders der Stil meines Chefs Mate haben mich sehr inspiriert und motiviert, meinen Sound immer besser werden zu lassen und vor allem auch neue Dinge auszuprobieren. Außerdem bin ich Ende 2014 das erste Mal auf die Jungs von Imaging Blueprint gestoßen und war von ihrem Imaging schwer beeindruckt. Besonders die Art und Weise, wie sie ihre Branded Intros produzierten, war für mich wegweisend! Wir haben seitdem auch schon ein paar Workshops mit den Jungs gehabt und es ist immer sehr spannend, mit ihnen über Imaging zu sprechen und Feedback zu erhalten – da habe ich schon viel lernen dürfen.

Was oder Wer inspiriert dich?

Wie schon erwähnt besonders die Jungs von Imaging Blueprint, aber auch die Produzenten hinter ProductionVault Urban oder die Jungs von Radio538. Generell lass ich mich gerne auf SoundCloud inspirieren, wenn Produzenten ihre Demos oder Imaging Highlights hochladen. Das ist eine richtig coole Sache, dass dort seit ein paar Jahren immer mehr Arbeiten zu hören sind und man sich so gegenseitig inspirieren kann.

Welche DAW und Plugins nutzt du bei deiner Arbeit?

Wir produzieren alles im ProTools und können auf etliche Pluginbundles (SoundToys, Sonnox, FabFilter, Waves) zurückgreifen. Seit ca. zwei Jahren sind wir an jedem Produktionsplatz auch mit UAD-Hardware ausgerüstet und nutzen dort einige Plugins, die einen super Sound machen! Ansonsten haben wir auch einige rhythmusbasierte Plugins, wie Effectrix und Looperator (Sugar Bytes) oder die Glitch Bitch (Vengeance), mit denen sich ziemlich coole Effekte erzeugen lassen.

 

Was sind deine 3 Lieblingstricks / Effekte / Tools beim Produzieren?

Meine drei Lieblingsplugins sind:

1. FabFilter Pro-Q – ein super intuitiver EQ, der sehr einfach zu bedienen ist und extreme viele
Möglichkeiten mit sich bringt (zBsp. dynamik EQ, Spectrum Analyzer)

2. Looperator – mein derzeitiges Lieblingsplugin für rhythmische Spielereien! Die Presets sind perfekt, um
sich inspirieren zu lassen und auf neue Ideen zu kommen. Funktioniert auch sehr gut in
Kombination mit Effectrix!

3. H-Delay – ein Klassiker von Waves, den wahrscheinlich sehr viele nutzen, aber trotzdem eines meiner
favorisierten Delay-Plugins, weil man sehr einfach und schnell zum gewünschten Ergebnis
kommt! Ich nutze ihn auch oft zum künstlichen Verbreitern von Vocals, da gefällt er mir oft besser als so mancher Widener.

Was macht für dich guten Sound aus?

Für mich zeichnet sich ein guter Sound einerseits durch gute Technik (Mix & Qualität) und andererseits durch Kreativität in den Produktionen aus, wobei mich letzteres noch mehr abholt. Eine kreative Idee gibt der Produktion meiner Meinung nach immer einen höheren Reiz. Ich liebe es, wenn ich Imaging von anderen Leuten höre und dabei denke – „heftig, wie hat er DAS gemacht?!“.

Auf was achtest du beim produzieren und Mischen?

Ich finde, die Herausforderung besteht oft darin, dass die Message klar herauskommt. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich eine Produktion immer weiter aufbaue und sie am Ende fast schon „überproduziert“ ist. Dann ist es sehr hilfreich, die Arbeit nochmal aus der Hörersicht zu betrachten, einen Tag liegen zu lassen oder einen Kollegen drüber hören zu lassen. Wenn ich mich dreißig Minuten damit beschäftige, welchen coolen Effekt ich noch auf den Sprecher packen könnte, am Ende aber die Message dabei verloren geht, dann muss ich mir selbst kurz sagen, dass der Hörer es am Ende mit anderen Ohren hört als ich und ich manches der Verständlichkeit halber auch weglassen sollte.
Grundlegend versuche ich dabei immer, das Verhältnis von Musik und Sprecher ausgewogen (aber verständlich) zu halten. Fügen sich die Sprecher nicht in die Musik ein bzw. sticht eines von beidem zu sehr heraus, dann empfinde ich es als eher unausgewogen – worin oft auch die große Herausforderung besteht!

Welche Websites kannst du zur Weiterbildung empfehlen?

Da fällt mir spontan der Radio Imaging Podcast von Chris Nicoll ein, der sich sehr intensiv und vielseitig mit Radio Imaging beschäftigt! Auf YouTube findet man ebenso einige coole Tutorials und auch hier auf deiner Seite gibt es einige Quick-Tipps, die sehr interessant sind!

Apropos Weiterbildung. Dieses Jahr fand der erste Radiobranding Day in Berlin statt. Ein Tag voller Protools, Ableton, Plugins, Radio Imaging. Wie fandet du die Location, Catering und Team @The Farm?

Es hat mich sehr gefreut, beim Radiobranding Day dabei gewesen zu sein! Es war eine super Stimmung, die Location war richtig gut und das Catering hervorragend. Die Leute waren sehr entspannt und offen, so dass man auch zwischen den Vorträgen coole Gespräche haben konnte. Kurz gesagt: es fiel mir nicht schwer, mich wohlzufühlen ;)

Kanntest du die Referenten und ihre Arbeit schon vorher?

Witzigerweise kannte ich Sebastian Pankau noch von meiner Radiozeit aus Berlin, daher war es cool ihn mal wieder zu treffen. Die Arbeiten von Oli Pengilly, Denzil Lacey und auch dir kannte ich teilweise schon aus SoundCloud, von daher fand ich es echt spannend, einen Einblick in die Produktionen zu bekommen, die ich auch schon gehört habe! Von Nik Smon kannte ich vorher noch nichts, daher fand ich es gerade bei ihm sehr spannend, einen Einblick in die Arbeit mit Ableton zu bekommen. Alle hatten spannende Sessions und es hat wirklich Spaß gemacht zu sehen, wie jeder einzelne zum Ergebnis kommt – besonders wenn der Weg dorthin ein anderer ist, als der, den man selbst gewählt hätte ☺

Was waren deine Highlights bei den Vorträgen?

Am spannendsten fand ich die Sessions von Oli, da ich seine Demos auf SoundCloud sehr beeindruckend fand und seine Herangehensweise an die Produktionen sehr spannend fand. Außerdem fand ich es sehr interessant zu sehen, wie er die verschiedenen Tuning-Plugins benutzt und welche kreativen Ideen er einbringt. Ebenso interessant und hilfreich fand ich deine ProTools-„Lifehacks“, von denen ich mir auch ein paar aufgeschrieben habe ;) Insgesamt war das Niveau von allen Referenten echt hoch, was ich sehr gut fand! Ich denke jeder Besucher konnte an dem Tag so einiges mit nach Hause nehmen und sich inspirieren lassen.

Wenn es noch einen Radiobranding Day geben sollte. Wen würdest du gern auf diesem Event sehen?

Da ich persönlich vor allem auf Urban Imaging stehe, fände ich es sehr spannend zu sehen, wie Ben Marks von ReelWorld produziert. Er hat letztes Jahr das Imaging für unser Jingle Package bei bigFM gemacht, und das hat mich schwer beeindruckt! Aber auch bei anderen Produzenten deutscher CHR-Stationen würde mich interessieren, wie sie arbeiten und welche Workflows sie haben. Auf jeden Fall war es sehr schön zu sehen, dass es auch in Deutschland erstmalig eine solche Plattform für Produzenten gab und wir uns untereinander connecten und voneinander lernen können. Das sollte es definitiv öfter und regelmäßig geben!

Welche Themen würden dich noch interessieren?

Da kann ich gar keine genauen Themen sagen, da ich alles rund um Radio Imaging spannend und interessant finde! Dieses Jahr ging es ja schon viel um Themen wie Tuning oder Vocal-Pitching, deshalb fände ich beispielsweise Vorträge rund ums Mixing auch echt interessant.

Viele Dank für das Interview!