Interview – Sabrina Diakow (Sprecherin/Schauspielerin)

Sabrina Diakow ist Stationvoice, Hörbuchsprecherin, Kinderbuchautorin, Verlegerin, Schauspielerin und sicher noch vieles mehr. Wir haben sehr lang zusammengearbeitet und ihr kontinuierlicher Drang neues auszuprobieren und ihr offenes Denken haben mich immer beeindruckt. Schon deshalb wurde es mal Zeit für ein Interview.

Ich freue mich, dass du dir zwischen all deinen Aufgaben die Zeit nimmst mir ein paar Fragen zu beantworten.

Ich freue mich darüber, dass Du gefragt hast!

Du bist selbstständig und deine Arbeit ist sehr vielschichtig. Wie sehen typische Tagesabläufe/Wochen bei dir aus?

Typisch ist, dass es nicht typisch ist. Kein Tag ist wie der andere. Ich kann Dir sagen, was ich alles zu tun habe. Doch wann was ansteht, hat keinen festen Ablauf. Wie Du oben ja schon beschrieben hast, habe ich viele verschiedene Aufgaben. Das Einsprechen von Texten verschiedenster Art, von Imagefilmen bis zum Game. Ich schicke Demos zu Sprechercastings. Ich schreibe an meinen Büchern, wenn die Muse mich küsst. Ich schreibe Emails mit Updates an Regisseure und Caster. Drehe selbstgeschriebene Szenen, mache E-Castings, aktualisiere alle meine Webpräsenzen. Das Leben schickt mir immer etwas zu tun. Dabei stehe ich zwischen dem, worauf ich gerade am meisten Lust habe und dem, was am Dringendsten ist. Meistens ist da aber zum Glück keine große Gap, weil ich liebe, was ich mache. Ich muss mir jedes kleinste Fitzelchen aufschrieben, sonst vergesse ich Dinge.

Mit eigener Sprecherkabine kann Sabrina flexibel arbeiten

Wieviel Zeit nimmt Bürokratie in der Selbstständigkeit ein? Machst du alles selbst?

Hör auf! Künstler und Administration! Der Punkt ist, ich kann das mittlerweile alles, aber es macht mich nicht glücklich! :-) Daher habe ich echt alles, was geht ausgelagert. Ich habe einen Steuerberater. Der Tag, an dem ich einen gefunden habe, der zu mir passt, war ein guter Tag. Danach hatte ich viel weniger Druck vom Weltlichen und war freier, um kreativ zu sein. Natürlich muss immer was Administratives gemacht werden. Muss halt sein. Ich versuche, dass es bei, lass mich schätzen, 25 % bleibt mit allem, was dazu gehört. Emails beantworten, Fragen von potentiellen Kunden beantworten, Rechnungen bezahlen, Rechnungen schreiben, dem Steuerberater alles hochladen. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich beruflich habe. Da will ich nicht jammern. Es gehört halt dazu.

Was für Annehmlichkeiten und Herausforderungen bringt die Arbeit als Sprecherin mit sich?

Annehmlichkeiten sind definitiv die meist freie Zeiteinteilung und die generelle Möglichkeit, kreativ zu arbeiten und damit mein Geld zu verdienen. Dazu kommt, dass ich das riesige Glück habe, genau so bezahlt zu werden, wie meine männlichen Kollegen. Es gibt da keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie es in den meisten Berufsgruppen der Fall ist. Es zählt nur die Qualität und die Erfahrung. Ich kann mir außerdem aussuchen, für wen ich nicht arbeiten will. Wenn ein Projekt nicht zu meinen Prinzipien passt, dann mache ich es nicht. Ich spreche zum Beispiel keine Wahlwerbung, weil ich finde, dass Politik in meinem kreativen Schaffen nichts zu suchen hat. Herausfordernd sind die Diskussionen über die Höhe des Honorars. Viele Menschen schätzen nicht den Wert einer Sache, die sie nicht anfassen können. Die Stimme gehört dazu. Sie kaufen ein Gefühl, dass die Stimme mit der Darbietung vermittelt. Das kann nicht jeder Sprecher rüberbringen. Deswegen wirken manche Produktionen emotional ansprechender als andere. Der Funke, der es ausmacht, ist wichtig. Die Einstellung des Sprechers ist wichtig. Ich nehme jeden Auftrag ernst und führe ihn auch so aus. Das hört man. Kunden, die unter Liste bezahlen wollen und dafür aber das High-End-Produkt erwarten, empfinde ich als herausfordernd. „Das machen Sie doch mal eben so.“ Bei so einem Denken kriege ich die Krise. Ich mache nichts mit dem halben Arsch. Es wird gut oder gut. Weniger geht nicht. Viele erkennen den Wert meiner Arbeit und zahlen dann nach Liste, andere dampfen empört ab, bildlich gesprochen. Die werden ihre Texte dann ihre Sekretärin sprechen lassen, und so klingt es dann auch :-)

An welche Projekte erinnerst du dich gern zurück?

Na allen voran steht natürlich die Arbeit als Stationvoice bei 89.0 RTL, die ja immernoch andauert! Ich kann das Programm so vielseitig mitgestalten und die Ideen der Producer umsetzen, dass es eine Freude ist! Ich begleite tausende von Menschen. Das mache ich mir immer wieder klar, wenn ich vor dem Mikrofon stehe. Manchmal spreche ich auch was für Radio Brocken. Was ich dann toll finde ist, dass die Sender ja unterschiedlich klingen und ich das dann auch adaptiere. Ich spreche für 89.0 RTL anders als für Radio Brocken.

Ansonsten spreche ich total gerne für Videospiele jeder Art. Ich war gefühlt schon alles.

  • Computerstimme
  • Alien
  • Wissenschaftlerin
  • Soldatin
  • jegliche Art von bunten fluffy Fantasiefiguren
  • Geist
  • Dienstmädchen
  • Edeldame
  • Monsterjägerin
  • Monster

Ich denke, das ist auch, was ich am Sprechen liebe. Die Vielseitigkeit. Auch wenn ich eine Telefonansage spreche, mache ich das mit Liebe. Denn jede Art des Sprechens gehört zu mir. Ich bin dankbar, dass ich die verschiedenen Genres bedienen kann. Ich schätze jedes Projekt auf seine Art.

Du hast ein Homestudio – Wie sieht dein Setup aus?

Ich habe ein

  • Neumann TLM 103
  • rme fireface 400
  • einen fetten PC
  • YAMAHA Boxen
  • und arbeite mit Studio One
Sabrinas Schnittplatz

Was hat sich seit Beginn deiner Karriere technisch und inhaltlich bei deiner Arbeit geändert?

Inhaltlich hat sich nicht viel geändert. Aber wenn ich an den Anfang denke, wie ich mit meinem T-Bone und irgendeinem Wandler, der wahrscheinlich irre gerauscht hat, angefangen habe, das ist ja glatt nostalgisch! Ich habe lange Zeit mit dem freien Wave Editor von Nero aufgenommen. Das waren noch Zeiten! Das war vor über 15 Jahren! Aber wichtig ist eben das Anfangen an sich. Ich habe unzählige Versionen von selbstgebauten Sprecherkabinen gehabt, weil ich viel umgezogen bin. Manche Experten hätten wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Doch es klang immer gut. Ich habe das Setting stetig verbessert. Eine Zeit lang hatte ich auch ein Musiktaxi. Bin ich froh, dass es jetzt Sessionlink gibt! Ich habe viel Zeit damit verbracht, mein Setup anzupassen, Neues zu lernen. Jetzt bin ich seit Langem sehr zufrieden mit meinem Studio.

Du hast einen Verlag gegründet über den du Bücher und Audioprodukte für Kinder herausbringst. Wie kam es dazu und was können Eltern und Kinder bei deinen Produkten erwarten?

Es gab einfach nicht die Art von Produkten, die ich selbst als Mama haben wollte. Also habe ich es selbst gemacht. Ich habe ja alles hier, was ich dafür brauche. Den Verlag FROSCHTATZE führe ich zusammen mit meinem Mann Tobias, der auch Sprecher und Schauspieler ist. Unser Fokus liegt auf Entspannung für Kinder. Wobei unsere CDs ebensoviel von Erwachsenen gehört werden. Das liegt daran, dass wir die Kinder nicht für dumm halten, sondern sie auf Augenhöhe ansprechen. Unsere Bestseller sind die Fantasiereisen „Dein Haus der Fantasie“ und unsere „Mini-Meditationen“. Alles zu finden im Buchhandel und auf Amazon.

Wer ist Jeanne Jaeger?

Das bin ich! Ich habe mir einen Künstlernamen zugelegt. Den nutze ich für das Schauspiel. Da ich neben meiner Agentur in London viele englischsprachige Kontakte habe, die mit dem Namen nicht klarkamen, habe ich was ändern müssen. Diakow kling bei denen wie „dye a cow“ also „färbe eine Kuh“. Ich möchte ja noch mehr international arbeiten. Wer nimmt mich denn da ernst? :-D

Wer möchte kann sich mein schauspielerisches Können hier ansehen.

Jeanne Jaeger alias Sabrina Diakow

Bildest du dich weiter und wenn ja wie?

Ich lerne ständig. Ich bin ausgebildet im Schauspiel. Seit Beginn meiner Karriere war das immer sehr wichtig für mich, denn das ist die Basis für gutes Sprechen. Ich nehme immer noch regelmäßig Privatunterricht.

Ansonsten ist die Sache einfach. Wenn ich etwas nicht kann, bringe ich es mir bei.

  • Bücher für den Druck setzen
  • Webseiten mit WordPress erstellen
  • Grafikprogramme bedienen
  • Songs schreiben.

Denn die Sache ist ja die. Wenn ich immer von anderen abhängig bin, kreativ das zu tun, was ich gerne möchte, komme ich nie zu Rande. Zum einen, weil nicht jeder die Zeit hat und zum anderen, weil es nie so wird, wie ich es möchte. Also mache ich es selbst. Was ich nicht kann und gerne können möchte, lerne ich.

Was hast du im letzten Jahr neues (über dich) gelernt?

Dass ich meiner Intuition, mir und meinem Können vertrauen kann.

Was willst du unbedingt mal ausprobieren?

Ich will mal einen LKW fahren, in einem fetten Hollywood Film mitspielen und ein Album schreiben. Ich bin sicher, mit der Zeit kommen mir noch mehr Ideen!

Welche Menschen haben dich auf deinem Weg unterstützt und wer inspiriert dich?

Am meisten unterstützt hat mich mein Mann. Er findet mich dermaßen toll, dass ich irgendwann alle Selbstzweifel, die ich so hatte über Bord geworfen habe. Denn ich schätze ihn menschlich und professionell sehr. Wenn ich seine Meinung nicht ernst genommen hätte, wäre das respektlos gewesen. So habe ich mich selbst schätzen gelernt.

Tobias Diakow ist ebenfalls Sprecher und Schauspieler

Wie schaltest du ab, was entspannt dich?

Ich meditiere jeden Abend. Ich habe da nach dem Zähneputzen meine Routine mit Stretching und Sportübungen und dann lege ich mich auf den Rücken, schließe die Augen und meditiere. Ich habe mir so einen großen Sportboden zugelegt und komme mir manchmal vor, wie so eine Insta-Yoga-Maus. Aber es ist wichtig, das zu machen! Wenn ich nicht meditiere, bin ich den Tag drauf unruhig und nicht fokussiert. Das ist kein schönes Gefühl. Daher trete ich mich jeden Abend in den Hintern und bin immer froh, wenn ich es gemacht habe. Danach bleiben alle Devices unbenutzt und ich gehe schlafen.

Wie hälst du dich fit?

Ich gehe regelmäßig ins Fitnesstudio. Dort mache ich moderates Krafttraining und schaue mir Agents of SHIELD auf dem Laufband an, damit ich 40 Minuten drauf aushalte.

Deine Lieblingsbücher?

Ich lese zwar recht viel, aber ich kann Dir nur sagen, welche Filme ich immer wieder mal gucken muss: „I, Robot“ und „Hansel and Gretel: Witch Hunters“. :-D

Vielen Dank für das Interview!

Sehr gerne!